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1. Einladung





2. Erinnerungen einer Tochter 
Yoon, Young-Kyoung

Mit der koreanischen Frauengruppe und mit Euch, den Mitfrauen, habe ich viele, sehr vielfältige, Erinnerungen und Verbindungen. Einige von diesen möchte ich heute gerne – leider nicht persönlich, aber durch meine alte Freundin Nami - mit Euch teilen:
  • Meine “Omma” war im Rahmen der Frauengruppe sehr aktiv und daher häufig unterwegs, entweder auf Wochenendseminaren oder auch mal länger, z.B. im L.A., USA. Manchmal nahm sie mich mit und ich sah viele “Tanten” und andere deutsch-koreanischen Kinder wieder, die aus ganz Deutschland angereist waren. Als Bochumerin bzw. später Bremerin war ich dabei ziemlich neidisch auf die Kinder aus Berlin, Frankfurt oder aus anderen großen Städten. Denn sie hatten, anders als ich in der kleinen Stadt, die Chance sich auch unabhängig von der Frauengruppentreffen zu sehen, zu musizieren, zu tanzen usw. Manchmal blieb ich aber auch zu Hause- mit “Babysittern”, die zum Teil auch “Tanten” aus der Frauengruppe waren und je nach Charakter mehr oder weniger streng waren....
  • Ein Sprachkurs für die Frauengruppe fand vor vielen Jahren in Bochum statt. Ich erinnere mich, dass meine “Omma” ständig unterwegs war, um irgendetwas zu organisieren. Aus Sicht des kleinen Kindes waren zu der Zeit überall koreanische Tanten, die super Deutsch sprachen, aber unbedingt noch besser Deutsch sprechen wollten. Um Geld zu sparen, wohnten einige Sprachkursteilnehmerinnen bei uns- in der nicht besonders großen Wohnung. Jeden Tag war viel Trubel. Es war eng und laut. Heute kann ich sagen, dass es ein toller und lustiger Sommer war. Damals, als Kind, habe ich wohl etwas gelitten. So, wie man als Kind halt leidet.
  • Während meines Austauschjahres an der Uni Maastricht belegte ich ein Seminar über “women’s rights”. Als ich eine Seminararbeit schreiben musste, kam mir sofort der Gedanke meine Arbeit der völkerrechtlichen Bewertung der begangenen Straftaten an den sog. “comfort women” zu widmen. Erst über Eure Arbeit und Eure Information war ich auf das Thema gestoßen. Auch Material von der Frauengruppe nutzte ich für die Seminararbeit. Meiner Professorin erzählte ich von der koreanischen Frauengruppe in Deutschland, als sie mich fragte, warum ich mich für diese Thematik interessierte.
  • Zu guter Letzt, bewundere ich besonders an Euch und der koreanischen Frauengruppe, dass Ihr nicht nur auf einer Arbeitsebene gut zusammenwirkt, sondern dass sich über die Jahre viele enge Freundschaften entwickelt haben; fast wie in einer großen Familie gibt es zwar Lästereien, Geschimpfe und Tränen, aber letztendlich – und das war schon als Kind mein Eindruck- halten alle zusammen. Eine wirklich schöne Erinnerung ist die Hochzeitsfeier meiner “Omma” in Bremen, zu der viele Mitfrauen mit vielen helfenden Händen kamen. Ohne Euch wäre das Essen nicht halb so gut und die Feier nicht halb so fröhlich gewesen. Immer wieder ist es daher schön, in Berlin “Omma” zu besuchen und so herzlich von den “Tanten” begrüßt zu werden.


3. Eröffnung

Liebe Gäste, Freunde und Mitfrauen der koreanischen Frauengruppe!

Ich möchte Ihnen ganz herzlich dafür danken, dass Sie sich die Zeit genommen haben und teilweise von weither gereist sind, um heute mit uns zu feiern. Heute begehen das 30jährige Jubiläum des Bestehens der koreanischen Frauengruppe in Deutschland und ich muss gestehen, dass es für mich ein sehr ergreifender Moment ist.

Blicke ich auf unsere gemeinsamen Jahre zurück, so kann ich sagen, dass die meisten Mitglieder in einer sehr konservativen und konfuzianischen Gesellschaft aufgewachsen sind. Sie gehören einer Generation an, deren Jugend und Schulzeit von der Armut der Nachkriegszeit des Koreakrieges gezeichnet war.

Mit großer Hoffnung im Herzen kamen sie in jungen Jahren hier in das weit entfernte Deutschland und widmeten sich engagiert ihrem Studium oder ihrem Beruf. Die Gründung der koreanischen Frauengruppe in Deutschland war unsere Antwort auf unser Bestreben für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Seit der Gründung verging kein Jahr in dem wir keine Bildungsseminare abgehalten und unsere so gewonnen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen versucht haben.

Solidarisch unterstützten wir Arbeiterinnen die in Korea unter der diktatorischen Wirtschaftsentwicklungspolitik gegen die Ausbeutung, unmenschliche Umwelts- und Arbeitsbedingen gekämpft haben. Für Rettungsaktion von KIM Dae-jung, MUN Bu-sik und KIM Hyun-Jang gingen wir auf die Straße und verteilten Flugblätter. Wir haben Spendenaktionen ins Leben gerufen, um die Arbeiterinnen in Korea in ihrem Kampf zu unterstützen. Auch der Erlös von selbst gemachten koreanischen Speisen floss in diese Spenden.

Bei all diesen Aktionen standen wir nicht allein da. Unsere deutschen Freunde und Ehepartner halfen uns bei der Verfassung deutscher Text. Nicht immer waren sie davon begeistert, mit Kind und Haushalt allein gelassen zu werden. Als eine Mitfrau nach einer Versammlung spät in der Nacht nach Hause kam, fand sie zum Beispiel ihr Bettzeug vor der Wohnungstür vor. Es kam auch schon vor, dass der besorgte Partner bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat. An dieser Stelle möchte ich mich aus tiefsten Herzen für all die Unterstützung bedanken. Mein Dank gilt auch den demokratischen Initiativen in ganz Europa, die mit uns für die Demokratisierung der Republik Korea gekämpft haben und bis heute gemeinsam mit uns jeden Mai die jährliche Gedenkfeier des Kwangju-Massakers ausrichten. Unbedingt erwähnen möchte ich auch die Organisationen terre des hommes und terre des femmes für ihre Solidarität im Bereich der Kinderbetreuung der koreanischen Arbeiterinnen. Ohne die finanzielle Unterstützung der Stiftung Umverteilen und der Frauen-Anstiftung wäre die Einrichtung des Frauentelefons nicht möglich gewesen. Beim Kampf um Entschädigung und Ehrenrettung der Opfer der sexuellen Sklaverei des japanischen Militärs und dem Solidaritätskampf gegen Flair Fashion in Iri/Korea waren das Evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland und die Japanische Fraueninitiative Berlin Mitstreiter, auf die wir uns verlassen konnten. Das AKE-Bildungswerk ermöglicht uns durch seine finanzielle Zuwendung die Veranstaltung unser halbjährlichen Bildungsseminare hier in Bielefeld. Das Naturfreundehaus stellt uns heute diese Einrichtung zur Verfügung, in der wir, wie bei einem Besuch eines nahen Verwandten gemeinsam kochen und die ganze Nacht durch feiern können. Es ist mir eine großes Bedürfnis meinen tiefen Dank an all unsere Freunde, auch die hier nicht genannten, noch einmal auszusprechen.

Auch wenn nicht alles perfekt abläuft, hoffe ich dennoch, dass Sie uns mit der gleichen Freundlichkeit begegnen wie in den vergangenen 30 Jahren und vor allem das Fest genießen und mit Spaß und Freude mit dabei sind.

Vielen Dank

Kim-Morris, Soon-Im



4. Gratulation




5.Danksagung


Liebe Frauen, Freunde und Gäste,

die koreanische Frauengruppe, oder kurz einfach Frauengruppe, wird dreißig. Ein Anlass, den es gebührend zu feiern gilt. Auf einer Ihrer Versammlungen hat die Frauengruppe beschlossen, aus diesem Anlass hier auch Betroffene zu Wort kommen zu lassen. Und demokratisch wie die Frauengruppe nun mal ist, hat sie zudem beschlossen, dass ich auch ein paar Worte dazu beitragen soll. Wer die Frauen kennt, weiß, dass in solchen Momenten jeglicher Widerstand zwecklos ist und so habe ich mich dann auch gerne bereit erklärt, diese Herausforderung anzunehmen. So stehe ich hier denn auch nicht als Chronist der Frauengruppe. Die erfolgreiche Arbeit der Frauen soll an anderer Stelle gewürdigt werden. Ich stehe hier als Ehemann einer Mitgliederin vor euch. Und so sind meine Eindrücke auch höchst subjektiv und keinesfalls allgemeinverbindlich, aber vielleicht wird sich ja der eine oder andere Ehemann oder Partner doch in dem Einen oder Anderen wieder finden.

Fast auf den Tag genau 25 Jahre ist es nun her, dass ich erstmals mit der Frauengruppe konfrontiert wurde. Eines Dienstags Abends zu Beginn meiner Beziehung zu Gum-Hi verkündete sie nämlich: „Du ich gehe jetzt zur Frauengruppe.“ Na prima dachte ich in meiner fast noch jugendlichen Unbekümmertheit. Da fliegt also im Hintergrund ein Kampfemanzengeschwader mit. Das kann ja heiter werden. Und was soll ich sagen, es wurde heiter.

Nicht nur eine neue Frau, sondern ein ganzes Land, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt grade einmal wusste, dass es wie Deutschland geteilt ist und die Hauptstadt SEOUL heißt, rückte in den Mittelpunkt meines Lebens. Und das begann sich damit an dem Terminkalender der Frauengruppe auszurichten. Gestern haben wir hier einen kleinen Teil der Frauengruppenaktivitäten der letzten 30 Jahre in der Dia-Show Revue passieren sehen. An einen großen Teil diese Aktionen – und noch einigen anderen darüber hinaus – kann ich mich noch gut erinnern, weil ich selber mit dabei war: Als Essenverkäufer, Unterschriftensammler, Kulissenschieber, Fotograf oder schlicht als Chauffeur, Babysitter oder Trommelträger.

Oder aber, und das war die Mehrzahl der Aktivitäten, weil Gum-Hi ganz dringend auf jeden Fall dabei sein musste, mit der Konsequenz, dass ich allein zu Hause saß.

Manchmal hat sich dann natürlich vor allem in der ersten Zeit – und im nachhinein muss ich ausdrücklich sagen unbegründeter Weise – der Eindruck aufgedrängt, dass mir die Frauengruppe meine Frau wegnimmt.

Erst nach und nach lernte ich die Frauengruppe, oder besser die Frauen der Frauengruppe kennen. Damals noch junge Mütter in den Dreißigern, die sich nicht nur dadurch auszeichneten, dass sie die Herausforderungen in Familie und Beruf meisterten, sondern auch mit hohem Engagement für die Demokratisierung ihrer Heimat und die Rechte der Frauen eintraten. Ich lernte starke Frauen kennen, die sich zudem noch durch ihre enorme Warmherzigkeit auszeichneten. Von Kampfemanzen keine Spur.

Heute, nach immerhin 25 Jahren, sehe ich jung gebliebene Großmütter vor mir, die nichts an ihrer Warmherzigkeit oder ihrem Engagement eingebüßt haben.

Allerdings war es in den fünfundzwanzig Jahren nicht immer ganz einfach, neben der Frauengruppe zu bestehen. Manchmal fand ich, dass Gum-Hi Prioritäten einfach falsch gesetzt hat. Es war z.B nicht immer ganz einfach zu verstehen, warum z.B. eine Veranstaltung der Frauengruppe wichtiger als mein Geburtstag ist, den Gum-Hi statt mit mir mit euch in Bielefeld verbracht hat.

Wenn sie dann allerdings von den Frauengruppenseminaren zurückkam, todmüde und kaputt, hatte sie immer diesen eigenartigen Glanz in ihren Augen. Sie wollte mir immer sofort alles erzählen was sie erlebt hatte an diesen Wochenenden, schlief dann allerdings meist sehr schnell und manchmal mitten in einem Satz auf unserer Couch ein. Das Frauengruppenseminar forderte seinen Tribut. Wenn sie schlief, sah ich immer in eine entspanntes und zufrieden lächelndes Gesicht und musste jedes Mal selber lächeln, wenn sie kurz wieder aufwachte, sich offenbar an etwas erinnerte mir noch etwas erzählen zu wollen und mich auf koreanisch ansprach. Dieser Anblick entschädigte für Vieles.

Gum-Hi ist bei mir zu Hause. Das weiß ich ohne auch nur den geringsten Zweifel daran zu haben. Aber sie hat auch ganz tiefe Wurzeln, die ihren Ursprung ganz weit in der Ferne haben. Ich weiß, dass ich wenig dazu beitragen kann, diese tiefen Wurzeln zu ernähren und ihre Gesundheit und Festigkeit zu erhalten. Dazu bedarf es Heimat und nicht zu Hause. Und die Frauengruppe ist ein gutes Stück Heimat für Gum-Hi geworden, die ihre tiefen Wurzeln gesund und am Leben hält. Das gibt ihr die Stabilität und Festigkeit, die sie braucht um auch mich in meinem Leben zu unterstützen und mich aufzufangen, wenn ich mal ins Straucheln komme.

Und dafür liebe Frauen, danke ich euch. Ich bin froh dass es euch gibt und hoffe auf mindestens weitere fünfundzwanzig Jahre mit Gum-Hi und euch.


Ralph Prudent
Bielefeld, 11. Oktober 2008 



6. 30 Jahre Koreanische Frauengruppe in Deutschland




7. Fotos von Feier 10.-12.Okt.2008



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posted by 재독한국여성모임

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